Im Jahr 1970 hat der Nobelpreisträger Milton Friedman folgenden Satz geprägt:
„Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen, und zwar in dem Sinn, dass sie nicht ohne eine Vermehrung der Geldmenge stattfinden kann, die rascher ist als das Wachstum der Produktion“.
Milton Friedmann sah das Wachstum der Geldmenge mathematisch betrachtet als „notwendige Bedingung“ für einen Anstieg der „Inflation“. Welche „hinreichenden Bedingungen“ für einen Anstieg der Inflation gegeben sein müssen, sei für die praktische Geldpolitik unwesentlich. Es gelte deshalb die einfache Faustregel: „Lasst die Geldmenge nicht schneller wachsen als die Wirtschaft, dann werden die Preise stabil bleiben“. Jahrzehntelang hatten die meisten Notenbanker Friedmans einfache Faustregel im „Hinterkopf“, indem sie für eine Art „Gleichlauf“ beim Wachstum von Geldmenge und GDP sorgten.
Unverkennbar ist jetzt aber eine dramatische Veränderung eingetreten. Die Geldmenge ist in den letzten 12 Monaten regelrecht explodiert, während gleichzeitig die Wirtschaft geschrumpft ist. Ob nun nach der Quantitätsgleichung des Geldes
M x V = P x T
mit entsprechend starken Preissteigerungen zu rechnen ist, wird man sehen. Eine wichtige Rolle werden auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) und das Handelsvolumen (T) spielen. Sicherlich ist die Situation heutzutage nicht so einfach wie im 16. Jahrhundert, als das spanische Gold und Silber aus Übersee nach Europa hereinströmte und für horrende Preissteigerungen sorgte. Der enorme Anstieg der Geldmenge traf damals auf ein vergleichsweise starres Angebot, sodass das Gleichgewicht nach dem Quantitätsgesetz des Geldes nur über ein steigendes Preisniveau (P) wiederhergestellt werden konnte.
Dass auch die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eine wichtige Rolle spielen kann, merkte man spätestens während der Hyperinflation in Deutschland 1922/1923. Die Kriegsfinanzierung veranlasste die Regierung 1914 den Goldstandard aufzuheben, damit die Reichsbank die Haushaltsdefizite monetär finanzieren konnte. Die Gelddruckerei führte dazu, dass sich der Notenumlauf bis zum Kriegsende um den Faktor 5,5 erhöht hatte, die Preise aber gleichzeitig um den Faktor 32,4 gestiegen waren. Die durchschnittliche jährliche Preissteigerungsrate betrug in dieser Zeit 350 %, was rein technisch noch kein Problem war. Zum Höhepunkt der Hyperinflation lag die Preissteigerungsrate allerdings bei 32.400 % pro Monat. Jeder war gezwungen, sein Geld sofort auszugeben, weil es schon am nächsten Tag kaum etwas wert war. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes stieg dramatisch an, was in der Folge den Preisauftrieb ins „Absurde“ beschleunigte. 1918 kostete eine Briefmarke noch 15 Pfennige, im November 1923 war eine gleichwertige Briefmarke mit dem Wert 10 Milliarden Mark bedruckt. Damals war das Geldsystem schon aus technischen Gründen zusammengebrochen, sodass man auf lokale Ersatzwährungen, den US-Dollar oder Tauschgüter (Zigaretten) zurückgreifen musste. Eine Währungsreform mit staatlicher Entschuldung war zwingend notwendig geworden.
Dass ein Staat Inflations- und Schuldenprobleme auch ohne Währungsreform lösen kann, bewiesen die Amerikaner mit ihren Kriegsfinanzierungen des II. Weltkriegs (1939-1945) und des Vietnam-Kriegs (1955-1975). Grundsätzlich ist es so, dass das sog. „Nominalwertprinzip“ gilt, das heißt, dass Schuldverträge nicht im Nachhinein an eine Geldentwertung angepasst werden. Jeder Schuldner hat deshalb die Möglichkeit seine Schulden mit „entwertetem“ Geld zurückzuzahlen. Da ein Staat Einfluss auf die Geldentwertung hat, tendiert er nur allzu gerne dazu, sich durch eine moderate Geldentwertung regelmäßig zu entschulden. Meist wird empfohlen, eine Preissteigerungsrate von 2 – 3 % zuzulassen. Dadurch steigen die nominalen Steuereinnahmen des Staates und alte Staatsanleihen lassen sich so leichter zurückbezahlen. Die Dummen sind die Gläubiger; sie erhalten nicht die volle Kaufkraft zurück, die sie dem Staat geliehen haben. Regierungen bevorzugen eine „Finanzielle Repression“ deshalb, weil eine harte „Schuldensanierung“ mit Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen mit geringerem Wachstum und höherer Arbeitslosigkeit einhergehen würde. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren war die Politik stark von den Theorien eines John Maynard Keynes beeinflusst, der glaubte, man könne sich mit einer, durch eine expansive Geldpolitik hervorgerufenen höheren Inflation, eine geringere Arbeitslosigkeit erkaufen. Spätestens, als es mit den Ölpreisschocks der 1970er Jahre zu einer „Stagflation“ kam, bei der eine hohe Inflation und eine hohe Arbeitslosigkeit zusammentrafen, merkten die Ökonomen, dass sie auf dem „Holzweg“ waren. Inzwischen herrscht unter den Ökonomen Einigkeit darin, dass selbst eine moderate Inflation nicht mit einer besseren Wirtschaftslage und niedriger Arbeitslosigkeit einhergeht. Eine expansive Geldpolitik wirkt nur so lange positiv, wie sie nicht auf die Preise durchschlägt. Als es nach den beiden Ölpreis-Krisen (1974-1975 und 1980-1982) zu starken Preissteigerungen kam und schlagkräftige Gewerkschaften mit hohen Lohnforderungen durchkamen (Lohn-Preis-Spirale), zog Paul Volcker (FED-Chef von 1979-1987) die Notbremse. Ein Vierteljahrhundert nach Bretton Woods war es einfach noch zu früh, das bestehende Währungssystem an die Wand zu fahren. Paul Volcker erhöhte die US-Leitzinsen kurzerhand bis auf 20 %, um die Preissteigerungsrate einzubremsen und nahm eine kräftige Rezession in Kauf. Der damalige US-Notenbankchef triumphierte während seiner Amtszeit über die „Inflation“ und die Zinsen kannten nach seiner Amtszeit nur noch eine Richtung, nämlich nach unten.
Was unter Paul Volcker noch funktionierte, kann heute nicht mehr funktionieren. Die US-Staatsverschuldung lag Ende der 1970er Jahre bei rd. 30 % und nicht wie aktuell bei deutlich über 130 % des GDP. Würde Jerome Powell heute die Zinsen auch nur um wenige Prozente steigen lassen, dann würde das in kürzester Zeit zu vielen Staats- und Firmenbankrotten führen und es käme zu einer wirtschaftlichen Depression biblischen Ausmaßes. Statt der Variante „Depression“ setzt man richtigerweise auf die Variante „Finanzielle Repression“. Die schleichende Enteignung der Sparer („Haircut“) ist bequemer als staatliche Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. Dass eine „Finanzielle Repression“ einen Staat erfolgreich entschulden kann, zeigt die US-Geschichte: Als Folge der großen Depression nach 1929 und der Kriegsfinanzierung während des II. Weltkriegs war die staatliche US-Verschuldungsquote von rd. 20 % des GDP in der Spitze bis 1945 auf 122 % des GDP gestiegen. Bei einer erfolgreichen „Finanziellen Repression“ muss eine Notenbank dafür sorgen, dass die Anleihezinsen tiefer sind als die Wachstumsrate des GDP. Wenn das reale Wachstum des GDP die reale Zinsbelastung übersteigt, dann wächst ein Staat langsam aus seinen Schulden heraus. Die USA haben es auf diese Weise geschafft, die Schuldenquote von 122 % auf 30 % (Mitte der 1970er Jahre) zu drücken. Im Unterschied zu damals ist die Verschuldung heute jedoch noch höher und die Zinsen dafür deutlich tiefer.